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Handsatz, Maschinensatz, Klischee. Wie kommt das Druckmotiv aufs Papier?

Zum Drucken gehört eine Druckform, die das Druckmotiv (also die abzubildenden Bereiche) widergibt. Diese entsteht wahlweise im Hand- oder Maschinensatz oder als Klischee.

Zum Buchdruck gehört eine Druckform, die das Druckmotiv aus Text, Grafik, Bild und anderen Elementen wiedergibt. Die zu druckenden Bereiche stehen dabei auf der Form hoch, daher auch der Name Buchhochdruck.

Gutenbergs Entwicklung nutzte den Satz mit beweglichen Metalllettern, während in anderen Kontinenten auch früher schon mit beweglichen Lettern aus Holz gedruckt wurde. Mit der Entwicklung der beweglichen Metalllettern wurde das Setzen im Buchdruck neu sortiert. Bis Gutenberg wurden Text und Grafik vom Klischee gedruckt, danach wurde Text mit Lettern und nur noch Grafik vom Klischee gedruckt.

Das blieb auch so, als mit dem Aufkommen von Setzmaschinen die Art und Geschwindigkeit des Setzens von Texten revolutioniert wurden. In den 1950er Jahren wurde es mit dem Lichtsatz (auch Fotosatz genannt) möglich, Text schneller und billiger in Form von Klischees als mit einzelnen oder Zeilen von Lettern herzustellen und es wurden wieder Text und Grafik vom Klischee gedruckt – ganz wie zu den allerfrühesten Anfängen des Druckens.

Manche Traditionalisten des Buchdrucks vertreten freilich Auffassung, dass das Drucken vom Klischee kein „echter“ Buchdruck im Sinne der Gutenbergschen Idee wäre. Mehr dazu lest ihr in diesem Beitrag: Wenn Fotopolymer das Blei ablöst. Ist das noch Buchdruck?

Zur Druckform kann von der einzelnen Letter (in der Regel mit dem Universalwerkzeug des Druckers fixiert, dem doppelseitigem Klebeband) bis zur Kombination von Lettern, Schmuckelementen, Linien oder Klischees nahezu alles zusammengeschlossen werden. Die einzelnen Bestandteile der Form müssen abschließend auf eine einheitliche Schrifthöhe gebracht werden.

Handsatz

Handsatz mit Bleilettern | Foto: Aileen Kapitza
Letterpress, Holzlettern, Buchdruck
Holzlettern werden für große Schriftgrößen verwendet, wenn Bleilettern zu schwer wären | Foto: Aileen Kapitza
Foto: Markus Lange markuslange.co

Im Handsatz werden Lettern aus Blei, Holz oder Messing verwendet, gelegentlich kommt auch Kunststoff für die Herstellung von größeren Lettern zum Einsatz. Mehr darüber erfahrt ihr hier.

Maschinensatz

Zeilensatz

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Mit der Linotype gegossene Zeilen im Stehsatz, der für einen späteren Nachdruck aufbewahrt wird | Foto: Aileen Kapitza

Im Zeilensatz werden nicht einzelne Lettern zu Zeilen zusammengefügt, sondern die Zeilen werden auf Zeilensetzmaschinen wie der Linotype, der Ludlow oder anderen Fabrikaten gesetzt und gegossen. Die in der Maschine gegossenen Zeilen werden anschließend im Handsatz zu Druckformen zusammengefügt.

Letternsatz

Monotype Setzmaschine im Book Art Museum Muzeum Książki Artystycznej in Łódź | Foto: Markus Lange markuslange.co
Book Art Museum Muzeum Książki Artystycznej in Łódź | Foto: Markus Lange markuslange.co

Im Letternsatz werden keine kompletten Zeilen, sondern einzelne Lettern gegossen, die jedoch nicht einzeln aus der Maschine purzeln, sondern zu einer Zeile gereiht und fertig ausgeschlossen aus der Maschine kommen. Die wohl bekannteste Maschine dieser Art ist die Monotype Setzmaschine.

Klischee

Magnesium-Klischee Buchdruck Letterpress
Magnesium-Klischee | Foto: Berger e.K. Gravieranstalt (www.graveurberger.de)
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Messing-Klischee für den Druck individueller Formen (bspw. Logos). Die Klischees werden gefräst, sind haltbar und (bei großer Detailliertheit wegen der langen Maschinenlaufzeiten auf der Fräse) teuer | Foto: Aileen Kapitza
Messing-Klischee auf der Fräse Buchdruck Letterpress
Messing-Klischee auf der Fräse | Foto: Berger e.K. Gravieranstalt (www.graveurberger.de)
Fotopolymer-Platte im Buchdruck | Foto: Aileen Kapitza

Die Alternative zum Hand- und Maschinensatz ist das Klischee, das Texte, Tabellen, Grafiken und Bilder darstellt. Klischees können heute aus verschiedenen Materialien bestehen:

  • Holz
  • Messing
  • Magnesium Magnesiumklischees werden in einem Ätzverfahren hergestellt oder gefräst, was eine größere Tiefe bis zu 5 mm und steilere Flanken ermöglicht. Steilere Flanken erlauben unter anderem ein engeres Schriftbild beim letterpress-typischen Prägen des Druckbilds.
  • Fotopolymer (auch Nyloklischee oder Nyloprint genannt, Letzteres ist aber keine Verfahrensbezeichnung, sondern eine Marke der Flint Group Flexographic Products/Stuttgart); Photopolymerklischees entstehen durch Belichtung einer Platte. Die belichteten Teile härten aus und bilden später die zu druckenden Bereiche, der Rest wird ausgewaschen. Die Belichtung erfolgt entweder auf dem Umweg über einen Film (älteres Verfahren) oder direkt im Belichter. Es gibt sie mit einer dünnen Stahlplatte als Untergrund, mit der sie direkt auf einem Magnetfundament in der Druckmaschine fixiert und abgedruckt werden können
  • seltener werden sie aus Stahl gefertigt

Linol- und Holzschnitte

Druck vom Linolschnitt | Foto: Aileen Kapitza

Eher im künstlerischen Bereich sind Linol- und Holzschnitte zu Hause.

Es gibt inzwischen auch eine Art Fake-Letterpress, bei dem billige Offset-Drucke nachträglich mit einem Klischee zum Letterpress-Produkt „veredelt“ werden. Wie würde das Donald Trump twitternd auf den Punkt bringen? „Not good!“

Neben der Druckform gehört natürlich auch Farbe zum Drucken. Lest dazu auch diesen Beitrag.

2 Antworten auf „Handsatz, Maschinensatz, Klischee. Wie kommt das Druckmotiv aufs Papier?“

Hallo Kirsten,
das freut uns, dass er Dir gefällt. Er hat noch ein paar Brüder (oder Schwestern?), kaufen kann man sie im Online-Shop der Galerie p98a.
Liebe Grüße, Anja

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