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Wenn Pressen sich ein Bein brechen …

Das Technikmusem in Magdeburg bietet eine sehenswerte kleine Ausstellung über den Buchhochdruck. Mein persönliches Highlight ist eine eiserne Handdruckpresse „Columbia“ von 1835, die sich ein Bein gebrochen hat.

Bei der Columbia ist der Rahmen an der Befestigung des Bengels gerissen – wohl als Folge der hohen Zugkräfte beim Drucken. Wegen der enormen Stärke des Gestells erscheint das eigentlich unmöglich, kommt nach Berichten älterer Drucker aber gar nicht so selten vor. Als ich die gebrochene Columbia in einer Letterpress-Gruppe auf Facebook vorstellte, bestätigten Nutzer das Phänomen, erstaunlicherweise explizit für Columbia-Pressen.

Die Reparatur des Bruchs erfolgte irgendwann in den letzten 100 Jahren recht pragmatisch, indem beidseitig stützende Trägerplatten mit Schrauben angebracht wurden. Die Bohrungen dafür gehen mitten duch die aufwändig gestalteten Verzierungen – Hauptsache, es konnte weiter gedruckt werden. So eine Maschine war damals eben noch kein musealer Zeitzeuge, sondern ein (teures) Werkzeug, das Geld verdienen musste.

Hergestellt wurde die Presse im Herzoglich-Braunschweigischen Hüttenwerk in Zorge im Harz (Fabrik-Nr. 61) auf Grundlage eines Patents des Braunschweiger Drucker und Verleger Eduard Vieweg.

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Eiserne Handdruckpresse „Columbia“, 1835 hergestellt im Herzoglich-Braunschweigisches Hüttenwerk in Zorge im Harz (Fabrik-Nr. 61)
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Bruchstelle mit Schiene. Der Bruch etwas unterhalb der zweiten Schraube von oben ist gut zu erkennen.
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Blick unter den Schlitten der Presse. Der Drucker zieht zunächst mittels einer Kurbel den Schlitten unter der Pressplatte hervor, legt auf die darauf befindliche, eingefärbte Druckform einen Bogen Papier auf, fährt das Ganze unter die Pressplatte und presst diese durch Ziehen am Bengel (Hebel) nach unten. Gut zu erkennen ist das Eisenbahnprinzip (der Schlitten fährt auf einer Art Eisenbahnschiene), das später bei vielen großen Druckerpressen zum Bewegen der Druckform verwendet wurde.
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Technikmuseum Magdeburg
Dodendorfer Straße 65
39112 Magdeburg
T 0391 6223906
www.technikmuseum-magdeburg.de
info@technikmuseum-magdeburg.de

7 Antworten auf „Wenn Pressen sich ein Bein brechen …“

Tolle Geschichte. Ich hätte nicht gedacht, dass diese massiven Maschinen brechen können. Aber wie ich auf Facebook gesehen haben, soll das gar nicht so selten vorkommen. Wenn wir das nächste mal in Magdeburg sind, werden wir uns das auf jeden Fall ansehen!

Hallo Gerd, das finden wird auch. Wir kennen einige Pressen und bei diesen extrem soliden Teilen erwartet man nicht, dass sie brechen. Aber das Material war damals ja auch noch nicht so weit entwickelt. Ein Besuch im Museum lohnt sich also, möglichst an einem Donnerstag zwischen 10 und 12 Uhr, dann könnt Ihr eine besondere Führung bekommen. Viele Grüße,
Stephan

Ich bin Autor der kleinen Broschüre „Buchdruckerpressen aus Zorge im Harz“ von 2013, in der ich genau auf die extra für den deutschen Markt umgestaltete Clymersche Kniehebelpresse eingegangen wird. Es existieren noch 7 Zorger Columbia-Pressen in Museen in Deutschland und Schweden, von denen neben der im Technikmuseum stehenden auch die Nr. 38 (Leipzig) einen Rahmenbruch aufweist. Bei der Nr. 46 (Berlin) ist der Rahmen anscheinend vorsorglich geschient. Ich kann auf den Bildern keine Bruchstelle erkennen. Manfred Dittmann

Hallo Herr Dittmann,
vielen Dank für die interessanten Details. Brüche scheinen wohl häufig vorgekommen zu sein. Der Bruch der Presse im Technikmuseum Magdeburg ist mit dem roten Pfeil markiert.
Viele Grüße, Stephan Mallik
PS: Wollen wir Ihre Broschüre hier gelegentlich vorstellen?

Hallo Herr Mallik,
die Broschüre habe ich dem Technikmuseum geschenkt. Sie müsste dort im Bestand sein. Dann können sie mal drin blättern.
Viele Grüße
Manfred Dittmann

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