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#fuehldashandwerk. Uwe Bald Letterpress

Uwe Bald arbeitet in seiner Letterpress-Manufaktur in Höxter nach ganz einfachen Regeln: Beherrsche Dein Handwerk und lerne immer Neues dazu, fokussiere dich auf das technisch Notwendige, kenne die Bedürfnisse Deiner Kunden (oder wecke sie) und sei in der Gestaltung mindestens ebenso kreativ, wie im Verkauf.

Uwe Balds lokales Kundenpotential ist auf den ersten Blick recht überschaubar. Nicht ganz 30.000 Einwohner hat Höxter, nach Hannover sind es 100, nach Bielefeld 80 und nach Kassel 70 km – auf der Landstraße. Sein erster Rat an Leute, die mit einer Letterpress-Werkstatt ihr Brot verdienen wollen, lautet denn auch: Geht in die großen Metropolen, zu den Unternehmen und Agenturen.

Nach diesen Maßstäben ist seine eigene Entscheidung für Höxter als Standort freilich überraschend. Doch erstens ist Uwe hier zu Hause und zweitens kompensiert er geografische Distanz geschickt mit kreativer Werbung und aktivem Verkauf. Und: Er passt sich den Bedürfnissen der Kunden an, bspw., indem man bei ihm auch in Einzelkursen Letterpressluft schnuppern kann.

Uwe Bald in seiner Offizin

Uwes Weg zum Letterpress erinnert an das berühmte Goethe-Zitat: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“

Zunächst lernte er ab 1978 Buchdrucker, im letzten Ausbildungsjahrgang der IHK Bielfeld, in dem noch Offsetdruck und Buchhochdruck unterrichtet wurden. Danach arbeitete er im Beruf, baute – inzwischen mit dem Meisterbrief in der Tasche – eine kleine Offset-Druckerei, später eine Druckagentur auf.

Den Buchdruck als Verfahren spielte in dieser Zeit beruflich für ihn keine große Rolle, begleitete ihn aber als Anekdote aus der Lehrzeit. Mit einer Mischung aus Grusel und Heiterkeit erinnert er sich an einen jährlich wiederkehrenden Auftrag des Lehrbetriebes zum Bedrucken von 120.000 (bereits verklebten) Tütchen für Blumensamen am Original Heidelberger Tiegel in der Doppelanlage.

Jemals wieder auf einem OHT zu drucken, wäre ihm kaum in den Sinn gekommen – bis zur DRUPA 2012, als ihm jemand eine Visitenkarte mit schön geprägtem Druckbild aus fettem Karton überreichte.

Ab diesem Moment war Uwe Bald back in Buchdruck!

Wie gründe ich eine Letterpress-Manufaktur?

Es dauerte dann noch etwas, bis aus der neuen Leidenschaft konkrete Pläne wurden. Zunächst waren ein paar Fragen zu beantworten. Wie gründet man eine Letterpress-Manufaktur? Gibt es dafür langfristig einen Markt oder ist das nur eine flüchtige Modeerscheinung? Welche Produkte will man anbieten? Welche Maschinen braucht man dafür, welches Zubehör? Welche Farben und welches Papier sind heute verfügbar, womit will man hauptsächlich drucken: Handsatz, Maschinensatz oder Klischee?

Uwe beantwortete diese Fragen für sich sehr pragmantisch: Man fokussiere sich auf das technisch Notwendige, stecke aber sehr viel Energie in die Gestaltung seiner Druckerzeugnisse und in den Vertrieb.

Ich konzentriere mich technisch auf das Notwendige und investiere dafür mehr Zeit und Energie in Gestaltung und Akquisition. Es macht Spaß, mit dem OHT zu drucken, aber noch mehr Freude macht mir das Gespräch mit dem Kunden!

Uwe Bald

Heute arbeitet er mit einem Original Heidelberger Tiegel GTO (Baujahr 1964, mit der seltenen Schließrahmenschrägverstellung), den er auf eBay-Kleinanzeigen fand und einer Herold 46 Papierschneidemaschine aus den 1960er Jahren. Gestaltet und gesetzt wird digital – mehr braucht man nicht für einen Letterpress-Shop.

Gedruckt wird bei Uwe Bald bevorzugt vom Magnesiumklischee, das er etwas härter und belastbarer als Photopolymerklischees findet – gerade, wenn man letterpresstypisch mit etwas mehr Bums druckt. Zudem bieten sie eine größere Flankentiefe und sie sind bei kleinen Formaten etwas günstiger zu bekommen.

Für seine Workshops hat er sich zusätzlich die Helvetica 12 Punkt in Blei zugelegt, damit die „Schüler“ auch ein Gefühl für den taditionellen Handsatz bekommen, wie er ihn vor 40 Jahren lernte. Als Offizin diente ihm anfangs ein gemieteter Raum in einem Autohaus, später baute er sich eine Werkstatt in seinem Haus aus.

Hier entstehen in Manufakturarbeit Visiten-, Einladungs-, Hochzeits- und Grußkarten sowie kleine Akzidenzen – was man eben so im Letterpress druckt, weil es besonders schön werden soll.

Unabhängig von Druckaufträgen übernimmt Uwe Bald auch das Layout von Drucksachen vom Briefbogen bis zum Buch für Formate und Druckverfahren, die er selbst nicht anbietet.

Letterpress schnuppern im Mini-Workshop oder drucken lernen im 2-Tages-Kurs

Ein weiteres Standbein sind seine Letterpress-Workshops. Probleme bereitete anfangs der etwas abgelegene Standort. Seit Uwe jedoch auch Einzelcoachings anbietet, entfällt die mühsame Koordination mehrerer Teilnehmer inkl. Anreise und die Kurse werden gut nachgefragt.

Wer einfach nur mal neugierig ist und sehen möchte, was Uwe Bald macht, darf gerne eine Stunde in der Offizin zuschauen. Freunde der Druckkunst, die sich näher mit dem Handwerk beschäftigen möchten, können für einen (150 EUR) oder zwei Tage (325 EUR; jeweils zzgl. MwSt.) lernen und üben, wie man schöne Drucksachen im Letterpress herstellt. Im 2-Tages-Paket ist auch noch der Druck von Visitenkarten für den Kursteilnehmer enthalten.

Handwerkskunst mit spürbarem Druckbild

Apropos Bums. Schaut man sich Uwes Arbeiten an, fällt schnell auf, dass er das letterpresstypische Druckbild mit kräftiger Prägung mag. Mit diesem haptischen Erlebnis wirbt er auch: Sein Motto „Fühl das Handwerk“ beschreibt, dass es im Letterpress nicht nur etwas zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen gibt (lest dazu auch unseren Post „Im Letterpress wird gedrückt, nicht geprägt).

Wie er Letterpress definiert? Das ist für ihn einfach nur ein neuer Name für den Buchdruck, wenngleich mit etwas mehr Anpressdruck und anderem Material gearbeitet wird.

Früher, erinnert er sich, hatte ein guter Standardkarton im Buchdruck ungefähr 250 Gramm, heute sind 700 und mehr Gramm völlig normal. Uwe empfiehlt seinen Kunden zum Beispiel Les Naturals, einen durchgefärbten Karton aus Recyclinfasern. Als Druckfarbe bevorzugt er Van Son Rubber Base (mehr über Farben im Buchdruck).

Wie findet Uwe Bald seine Kunden?

Weil der Standort Höxter aufgrund seiner geringen Größe nur ein begrenztes Kundenpotential bietet, akquiriert er deutschlandweit – per Telefon, Brief und – mit dem hashtag #fuehldashandwerk – in den sozialen Medien wirbt er erfolgreich für den Letterpress und seine Offizin. Interessenten sendet er ein umfangreiches Paket mit Druck- und Papiermustern.

Ist er in Deutschland unterwegs und sieht ein für ihn als Kunden in Frage kommendes Unternehmen, spricht er die Mitarbeiter an und wirbt für seine Leistungen.

Selbst für den Fall, dass die Firma gerade geschlossen ist, hat Uwe eine pfiffige Idee entwickelt. Er hinterlässt dann einen kleinen zweiteiligen Anhänger an der Ladentür. Teil 1 des Anhägers ist seine Visitenkarte, Teil 2 ist eine kleine Einführung in die Letterpress-Kunst.

„Ganz wichtig ist es“ berichtet er in seinen Workshops, „den Leuten auch zu erklären, was Letterpress ist und wie großartig das aussieht. Weil Letterpress teurer ist, muss man als Letterpresser auch etwas mehr Energie darauf investieren, den Bedarf zu wecken und auch zu erklären, wie viel Arbeit darin steckt“.

Manchmal braucht man auch einfach eine Menge Geduld. Der längste Zeitraum zwischen Kundengespräch und Auftragserteilung betrug unlängst drei Jahre, in denen sich eine Kundin Uwes Mustermappe treulich aufhob und auf einen passenden Druckjob ihres Unternehmens wartete!

Seinen ersten Letterpress-Auftrag bekam Uwe übrigens als Reaktion auf einen Eintrag in Facebook. Er hatte dort berichtet, jetzt auch Letterpress anzubieten. Was er zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht hatte, war eine Maschine! Für den Druck dieses Auftrags durfte er zum Glück einen Heidelberger Tiegel seines Klischee-Lieferanten nutzen.


Uwe Bald
Bald Letterpress Manufaktur
Neue Straße 5
37671 Höxter
T +49 5271 32986
M +49 151 27535595
T+49 5271 3913497
info@uwebald.de;
www.baldletterpress.de;
Instagram Letterpressworkshops; Instagram Manufaktur;
Facebook

9 Antworten auf „#fuehldashandwerk. Uwe Bald Letterpress“

Hallo Christine,

ja danke, da liege ich mit meinem #fuehldashandwerk genau richtig.
Vielleicht hast du ja auch mal Lust auf eine Druckereibesichtigung.
Besuch mich gerne in meinem Offizin in Höxter.

Viele Grüße, Uwe

Ich hatte mal das Glück, mit Uwe Bald eine längere Zeit zusammenzuarbeiten. Als Schriftsetzermeister (Handsatz) finde ich den Buchdruck, bleibe mal bei dem deutschen Ausdruck, den er weiterleben läßt, einfach klasse! „Gott grüß die Kunst“

Hallo Herr Matthiessen, Buchdruck und Letterpress sind ja auch die gleiche Sache (finden wir), nur eben wahlweise mit etwas mehr oder weniger impact im Druckbild. PS: Leider ist uns Ihr Kommentar bei der Freigabe durchgerutscht, deshalb wird er erst heute sichtbar. Vielen Dank und Gott grüße sie! Stephan

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