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Umbruch, Umbrecher, Mettage und Metteur

Was bedeutet Umbruch und was genau macht ein Metteur? Wir haben nachgeschaut und sind im „Handbuch für Papier, Schrift und Druck“ von 1943 fündig geworden. Nach der Lektüre dieses wahrlich Respekt einflößenden Regelwerkes weiß man einmal mehr den Satz am PC und den Druck vom Klischee zu schätzen!

Quelle: Brugger, Ebenböck, Preis (Hrsg.), Handbuch für Papier, Schrift und Druck, Otto-Elsner-Verlagsgesellschaft Berlin, 1943, S122ff

Der Umbruch

Nachdem der Autor oder der Auftraggeber die Korrekturfahnen zurückgesandt hat und keine größeren Aenderungen mehr zu erwarten sind, beginnt der Setzer mit dem „Umbruch“ des Werkes.

Das „Umbrechen“ (die zweite Silbe wird betont) liegt in den Händen des „Metteurs“, verdeutscht: Umbrecher. Unter Umbruch versteht der Fachmann das Herrichten von gleichgroßen Seiten, einschließlich des Setzens und des Einbauens von Seitenzahlen (Kolumnentitel), von Ueberschriftzeilen, von Fußnoten, von Marginalien (Randbemerkungen, Randhinweise) und so weiter. Zur Aufgabe des Metteurs gehören aber auch Aufgliederung des Werkes, Satz von Titel, Inhaltsverzeichnis, Vorwort und dergleichen.

Die Vorarbeiten zum Umbruch beginnen mit dem Umrechnen des „Paketsatzes“ (Satzspalten) in fertige Werkseiten, um so den Umfang des Werkes zu bestimmen.

Dabei beachtet der Metteur, daß der „Satzspiegel“ (Satzfläche) in gutem Verhältnis zur Papierfläche ist und harmonisch auf dieser steht. Man wendet heute noch gern das Verhältnis des „Goldenen Schnittes“ an.

Ist der Werkumfang errechnet, dann zählt der Metteur noch die Anzahl der Seiten des Titelbogens hinzu und bringt den Gesamtumfang des Werkes in ein günstiges Bogenverhältnis (Quartbogen = 8 Seiten, Oktavbogen = 16 Seiten, Sedezbogen = 32 Seiten), das heißt, er ist bestrebt, die letzte Druckseite möglichst mit der letzten bis drittletzten Seite eines ganzen oder halben Bogens abzuschließen.

Der Titelbogen ist der Teil, der dem eigentlichen Werk vorangeht. Sein Umfang kann entsprechend seines Inhaltes unterschiedlich sein. In der Reihenfolge der einzelnen Seiten haben sich bis heute alte Normen erhalten: 1. Schmutztitel (auch Schutz- oder Vortitel), er enthält die gekürzte Titelangabe, 2. Vakatseite, 3. Haupttitel, 4. Vakatseite, 5. Dedikationstitel (Widmung), 6. Vakat, 7. und 8. Vorwort, 9. und 10. Inhaltsverzeichnis. Urheberrechtsvermerk (Copyright) und Druckfirma finden meist auf Seite 2 oder 4 ihren Platz.

Neben der rein technischen Vorarbeit läuft (und zwar schon vor Beginn des Setzens des Werkes) die geschmackliche Durcharbeit. Die Schriftcharaktere müssen dem geistigen Inhalt des Werkes angepaßt sein. Für einen Roman, für ein Heimatbuch wird man andere Schriften wählen als für ein wissenschaftliches Werk oder für ein Wörterbuch. Der Werkschrift müssen sich Ueberschriften, Kolumnentitel, Fußnoten, Marginalien und so weiter anpassen, auch Titel, Vorwort und Inhalt müssen sich eingliedern, so daß das Werk wie aus einem Guß erscheint; das Ganze muß eine harmonische Einheit bilden.

Nun gestaltet sich die Arbeit des Umbruches unterschiedlich schwer. Ein Roman, ein Novellenbuch, ein Schullesebuch sind verhältnismäßig leicht zu umbrechen; schwieriger ist der Umbruch von wissenschaftlichen Werken mit viel Einschaltungen und Fußnoten, mit Quellenangaben im Text und mit Marginalien, mit Tabellen- und Formelsatz, mit eingebauten Bildern und dergleichen.

Nachdem alle geschmacklichen und technischen Fragen geklärt sind, beginnt der Metteur mit dem Absetzen der Kolumnentitel, der „Normen“ (Kurztitel in kleinster Schrift unter den ersten Seiten der Bogen, S.1, 17, 33, 49 usw.), der „Primen“ und „Sekunden“ (Primen sind Bogenzahlen, die die einzelnen Bogen in ihrer Reihenfolge paginieren, sie stehen in der gleichen Zeile der Normen; Sekunden sind ebenfalls Bogensignaturen, die am Fuße der dritten Seite eines jeden Bogens stehen und mit einem Stern versehen sind: S. 3 = 1, S. 19 = 2, S. 35 = 3* usw.). Primen und Sekunden dienen der leichteren und sicheren Feststellung der Reihenfolge der einzelnen Bogen, sie sind ein sicherer Anhaltspunkt für den Buchbinder.

Um allen Seiten eine einheitliche Länge zu geben, bedient sich der Metteur eines Kolumnenmaßes. Er setzt sich aus Bleistegen die genaue Seitenlänge zusammen und legt das Maß an jede zu umbrechende Seite an.

Der technische Umbruch kann beginnen. Auf mehreren Schiffen nebeneinander stehen in richtiger Reihenfolge die Satzspalten. Der Schriftsatz wird mittels eines Schwammes mit Wasser angefeuchtet, um einem Einfallen der einzelnen Typen vorzubeugen. Auf einem oder mehreren kleinen Schiffen nimmt dann der Metteur das Fertigmachen der Seiten vor. Er stellt auf die rechte Seite des kleinen Schiffes immer genau soviel Satz, als er für die fertige Druckseite benötigt, hebt die Seitenzahl oder den Kolumnentitel vor, fügt Ueberschriftszeilen, Anmerkungen, Fußnoten und so weiter ein und „justiert“ die Seite. Justieren bedeutet in diesem Falle: ausgleichen und auf richtiges Format bringen.

Handelt es sich um ein fortlaufendes Werk ohne Erschwernisse, also um glatten Satz, so geht der Umbruch meist reibungslos vonstatten. Der Metteur errechnet die Anzahl der Zeilen, die auf eine Seite gehen, rechnet hinzu den Kolumnentitel und den Zwischenschlag zwischen Kolumnentitel und Text, sowie den „Unterschlag“ (ein möglichst aus einem Stück gegossener schmaler Bleistreifen, „Reglette“, der das Umfallen der letzten Zeile verhindern soll). Die so errechnete typographische Länge ist der Anhaltspunkt für das Kolumnenmaß. Glatter Satz läßt sich also leichter umbrechen, weil alle Seiten die gleiche Zeilenzahl haben. Doch machen schon hier manche starren typographischen Gesetze dem Metteur das Leben sauer, trotzdem man heute schon (seit Einführung der Setzmaschine) nachsichtiger geworden ist. Da ist vor allem das verpönte „Hurenkind“, das oft die Arbeit erschwert. Hinter dieser drastischen Bezeichnung verbirgt sich eigentlich weiter nichts als eine harmlose „Ausgangszeile“, das ist die letzte (nicht ganz gefüllte) Zeile eines Absatzes, die als erste Zeile einer Seite steht. Die Regel verbietet das Stehen einer Ausgangszeile als erste auf der Seite; die Regel verbietet auch das Stehen einer „Einzugszeile“ (Anfangszeile eines Absatzes) als letzte Zeile auf der Seite. Ja es soll möglichst die Einzugszeile als drittletzte Zeile der Seite stehen, die Ausgangszeile hingegen erst die dritte Zeile auf der Seite sein. Unerwünscht sind Worttrennungen zwischen zwei Seiten und noch viele andere Kleinigkeiten, die alle aufzuführen unmöglich ist.

Treten solche Fälle ein, muß der Metteur oft weniger Zeilen auf die Seite nehmen als vorgesehen; den übrigbleibenden Raum verteilt er geschickt mittels schwachen Durchschusses zwischen Ausgangs- und Einzugszeilen (also zwischen Abschnitte) und diese Tätigkeit heißt: Justieren der Seite.

Bei gemischtem, bei wissenschaftlichem und jedem weiteren komplizierten Satz erschwert sich erklärlicherweise die Arbeit des Metteurs. Trotz aller Schwierigkeiten verlangt man von ihm technische Fähigkeiten und guten Geschmack. Denn die Wahl der Schrift tut es nicht allein, ein schlecht umbrochenes Werk kann die schönste Schrift unwirksam und bedeutungslos werden lassen.

Dem guten Geschmack eines Metteurs ist es überlassen, die Druckseite harmonisch auf die Papierfläche zu stellen, für angeglichene Größen der Auszeichnungsschriften zu sorgen, zeitgemäße Satzanordnung zu treffen und günstige Raumaufteilung innerhalb des Satzspiegels zu schaffen.

Jede Seite wird ausgebunden und abgezogen. Dieses Mal erfolgt das Abziehen selten seitenweise, sondern meistens bogenweise, das heißt 8 oder 16 Seiten zum Falzen geordnet.

In vielen Fällen erfolgt der erste Abzug für die eigene Korrektorei; die Fehler werden in der Setzerei beseitigt, um dann die Abzüge für den Autor und Verleger herzustellen. Kommt dann die „Autorkorrektur“ zurück und ist vom Autor das „Imprimatur“ (das ist die Druckgenehmigung) erteilt, so ist für die Druckerei das Werk druckreif. Der Satz wird dem Druckmaschinensaal zur weiteren Verarbeitung übergeben.

2 Antworten auf „Umbruch, Umbrecher, Mettage und Metteur“

Hallo Rolf, Übung macht den Meister! Oft wollen wir es trotzdem gleich jetzt sofort können. Aber Setzer und Drucker waren bzw. sind ja nicht ohne Grund Ausbildungsberufe.
Viele Grüße, Stephan

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