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Stefanie druckt WOW!

Es gibt Menschen, die sind voller Kreativität, haben es aber nicht so sehr mit strategisch-analytischem Arbeiten. Und umgekehrt gibt es Leute, die sich mit Zahlen und Konzepten wohlfühlen, dafür aber keinen Buntstift festhalten können. In Stefanie Münch aka „Vereinigte Gestaltung“ aka „Herzdame Letterpress“ bin ich einer jungen Designerin begegnet, die in beiden Welten zu Hause ist. Sie ist Gestalterin, neuerdings auch Letterpresserin und sie hat einen sehr konkreten Plan, warum, was und wie sie im Letterpress drucken möchte.

Angefangen hat Stefanies Geschichte als Letterpresserin wie bei vielen jungen Designern. Fit in der digitalen Gestaltung und moderner Produktion, mit dem Computer bestens vertraut, bestand irgendwann doch der Wunsch, auch wieder mit ihren Händen zu arbeiten – bevorzugt natürlich in der Branche, in der sie beruflich zu Hause und geschäftlich gut etabliert ist.

Mit einem Netzwerk freier Experten entwirft sie ihrem Design-Büro „Vereinigte Gestaltung“ Firmenausstattungen, Druckerzeugnisse und Verpackungen. Visiten- und Glückwunschkarten sowie Hochzeitspapeterie druckt sie jetzt selbst.

An dem Punkt, mit den Händen arbeiten zu wollen, war Stefanie früher schon einmal, vor ihrem Studium hat sie hat einen Handwerksberuf gelernt. In ihr Design fließen auch ihre Erfahrungen in der Kalligrafie, im Handlettering sowie im Siebdrucken ein.

Dann kam im Dezember 2016 eine Druckmaschinenauktion und plötzlich nahm der Traum vom handwerklichen Drucken konkrete Züge an. Stefanie ersteigerte einen Originale Heidelberger Tiegel, der zunächst bei Freunden in einer Scheune untergestellt wurde.

Als nächstes kümmerte sie sich um eine geeignete Offizin, fand nichts, was baulich geeignet und bezahlbar war und baute kurzerhand mit ihrem Mann einen alten LKW-Kofferaufbau zur Letterpress-Druckerei um. Inzwischen ist das kleine Bauwerk fertig und mit dem Heidelberger Tiegel sowie einem Boston-Tiegel plus ein paar Kleinmaschinen fertig eingerichtet und arbeitsbereit. Ex-Tierheim-Dackel Mickey wacht über das Betriebsklima.

Ich verkaufe keine Produkte, sondern WOW-Erlebnisse, wenn die Menschen das erste Mal ihre im Letterpress gedruckten Karten in die Hände nehmen.

Stefanie Münch
Vereinigte Gestaltung/Herzdame Letterpress

Für den Letterpress hat Stefanie ganz klare Vorstellungen – und eine eigene Marke entwickelt: Herzdame Letterpress ist ihr Angebot im Buchdruck, der als Projekt ihrer Firma Vereinigte Gestaltung geführt wird. Natürlich geht es ihr auch um die Fortsetzung dieses traditionellen Handwerks, noch mehr aber darum, ein neues spannendes Produkt zu entwickeln.

Ganz konsequent wirbt sie mit dem im Letterpress erreichbaren Druckbild, dem WOW-Effekt dank der visuellen und haptischen Effekte: „Druck, der Eindruck hinterlässt“.

Stefanie “ Étiennie“ Münch
Für Kleinstauflagen und Workshops steht ein Boston-Tiegel bereit.
Dackel Mickey behält das gute Betriebsklima im Blick.

Sie wolle, betont sie, keine Produkte verkaufen, sondern ein besonderes Gefühl. Wenn die Brautpaare ihre Einladungen oder Tischkarten von ihr in Empfang nehmen und die Hochzeitsgäste spüren, dass sich hier jemand mit sicherem Blick für das Außergewöhnliche und Schöne Gedanken gemacht hat.

Das Drucken am Heidelberger Tiegel schaute sich Stefanie bei Uwe Bald ab, den wir in einem eigenen Beitrag vorstellten. Den Handsatz und das Drucken an der Abziehpresse lernte sie im Verein „Freunde des Bleisatzes und des Buchdruckes in der Steiermark“, kurz DruckZeug* genannt sowie in der „Werkstatt Höflich“ von Peter Dietz in München.

Wie auch Uwe Bald, druckt Stefanie bevorzugt vom Klischee, überlegt sich aber zugleich, wie man neue und klassische Mittel und Druckformen verbinden kann.

Der Handsatz spielt dabei eine große Rolle, ist er doch bei geringen Textumfängen günstiger als ein Klischee. So könnte man, überlegt Stefanie, bestimmte Elemente im Stehsatz vorhalten und mit kleinen Anpassungen kostengünstig immer wieder verwenden – und dennoch stets eine ausdrucksvolle individuelle Gestaltung realisieren. Zusätzlich aufgewertet werden ihre Drucksachen, indem sie einzelne Elemente, beispielsweise die Namen des Brautpaares, im Handlettering zeichnet, digitalisiert und vom Klischee eindruckt.

Gerade hat Stefanie für ihr neues Angebot eine eigene Webseite gestartet: Herzdame Letterpress. Schaut dort mal rein!

Herzdame Letterpress
c/o Vereinigte Gestaltung
Stefanie Münch
Waagner-Biro-Straße 20
A-8020 Graz
+43 676 962 93 67

hallo@herzdame-letterpress.com

Weblinks
Verein Druckzeug in Graz/Österreich
– unser Beitrag über den Drucker Uwe Bald

* Im DruckZeug haben sich „ehemalige Setzer und alte Drucker, KünstlerInnen und junge Kreative, humanistisch Interessierte und Lehrende an Grazer Schulen und Hochschulen, Freunde von Drucktechnik und Buchkunst, Bleisatzbegeisterte und TypographInnen […] zusammengeschlossen, um in dieser besonderen Umgebung wieder zu drucken wie zu Zeiten Gutenbergs“. Vereinsmitglieder können hier unter fachkundiger Anleitung die Ausstatung verwenden.

4 Antworten auf „Stefanie druckt WOW!“

Mit einem OHT zu starten ist schon mutig. Die meisten von uns beginnen (und bleiben dann auch dabei) mit einer Abziehpresse. Die kann viel, ohne dass man viel können muss. Aber wenn man höhere Stückzahlen drucken möchte, macht der OHT natürlich Sinn! Alles Gute wünsche ich der jungen Druckerin!!

Hallo Katja, das hatte ich Stefanie auch gefragt, warum sie denn gleich mit einem Original Heidelberger Tiegel startet? Sie wählte die Maschine, weil es gerade ein gutes Angebot dafür gab und weil sie eben auch Auflagen mehrfarbig drucken möchte. Viele Grüße, Stephan

Sehr cool! Mir gefällt, dass sie sich mit dem Buchdruck nicht beschäftigt, weil er so ehrwürdig oder traditionell ist, sondern weil er einfach ein tolles Druckbild macht. Da kann kein Offset-Druck mithalten und über künstliche Effekte mit (giftigem) 3D-Lack im Digitaldruck wollen wir gleich gar nicht reden. Dafür sind andere Verfahren schneller und billger, aber so hat eben jedes Ding seinen Platz. Gott grüß die Kunst, ich halte die Daumen!

Hallo Franzi, vielen Dank für Deinen Kommentar, das finde ich auch wichtig. Die Freude am Handwerk kommt nicht auf, weil jemand eine Definition perfekt aufsagen oder den Winkelhaken exerziermäßig präzise halten kann. Sondern weil man mit den Maschinen schöne Sachen herstellen kann, die die Leute gerne anschauen und auch anfassen. Nicht zu vergessen: Mit einem OHT oder einer Abziehpresse ist man auch bei kleinem Etat relativ schnell im Geschäft und kann Geld verdienen. Viele Grüße, Stephan

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